Aktuelles | 20.03.17

"Welkom in onze wereld!"

Willkommen in unserer Welt! Eine belgische Studentengruppe besuchte für zwei Tage unseren Kindergarten "Schivelbeiner Straße" und kam zu erstaunlichen Erkenntnissen.

Berlin - "Bei euch ist der Kita-Tag viel entspannter", sagte Filip Sas, Hochschullehrer an der "Karel de Grote Hogeschool" (https://www.kdg.be) in Antwerpen. "Bei uns haben schon die kleinen Kinder Unterricht." Gemeinsam mit seinen 14 Studentinnen und Studenten reiste Sas nach Berlin, um vom 15. bis 16. März im Kindergarten in der Schivelbeiner Straße in Prenzlauer Berg zu hospitieren. Neben einer Führung durch die Einrichtung und der Mitarbeit in den verschiedenen Gruppen stand auch eine Gesprächsrunde mit den deutschen Kolleginnen und Kollegen auf dem Programm. Zeit, Fragen zu stellen und zu vergleichen.

Eine wertvolle und inspirierende Erfahrung

"Der Austausch mit den Studentinnen und Studenten ist für uns sehr wertvoll und inspirierend. Wir freuen uns sehr, Ihnen unser pädagogisches Konzept vorstellen zu können und Ihnen auf diese Weise einen Einblick in das Kita-System in Berlin zu geben", sagte die Kita-Leiterin, Juliane Kind. In ihrem Kindergarten mit dem Schwerpunkt der Resilienz-Förderung betreut sie von 6 bis 18 Uhr mehr als 190 Kinder im Alter von 0 bis 6 Jahren. Die Gruppen sind halboffen, arbeiten teilweise übergreifend und betreuen die Kinder ab einem Alter von 2 Jahren altersheterogen. Die Eingewöhnung verläuft wie im Berliner Bildungsprogramm vorgesehen einfühlsam und individuell. Die spätere Mitbestimmung der Kinder erfolgt demokratisch, es gibt eine "Kinderkonferenz".

Ganzheitliche Pädagogik versus Vorschulunterricht

"Das ist ganz erstaunlich und unterscheidet sich von unserem System", sagte Sas. "Bei uns kommen die Kinder mit 2,5 Jahren in den Kindergarten. Dort gibt es drei altershomogene Gruppen mit jeweils einem Lehrer für ca. 25 Kinder. Von 8.30 bis 15.30 Uhr lernen die Kinder spielerisch und altersgerecht Mathematik, Sprache, Kunst, Musik, Bewegung und persönlichen Ausdruck." Es gibt Themenwochen und Lernecken. In welcher Lernecke sie sein wollen, können sich die Kinder aussuchen. Einen Morgenkreis gibt es auch, Schlafmöglichkeiten dagegen nicht immer. Eine Eingewöhnung gibt es in der Regel nicht.

Die Nähe zu den Erzieherinnen und Erziehern ist vielleicht der größte Unterschied. Während in den belgischen Kindergärten schon allein strukturell kaum eine persönliche Betreuung möglich ist, ist sie in Berlin essentieller Bestandteil der frühkindlichen Bildung. "Wir haben eine sehr enge Beziehung zu den Kindern", sagten die zwei deutschen Erzieherinnen, Julia Meyer und Lisa Tetzlaff. Ob das belgische System besser oder schlechter ist, sei schwer zu sagen. "Auf jeden Fall weinen die Kinder bei uns öfter. Eigentlich weint ständig irgendwo eins", sagte Sas.

Elternbeteiligung als zentraler Baustein im Berliner Kita-System

Unterschiede gibt es auch in der Elternbeteiligung. In den Kindergärten in Antwerpen sind Eltern kaum involviert. Zwar gibt es sogenannte Elterntafeln. Sie erfüllen jedoch eher einen organisatorischen Zweck. Im Gegensatz dazu spielt die Zusammenarbeit mit den Eltern in Berlin und auch in der Schivelbeiner Straße eine zentrale Rolle. "Eltern können sich bei uns als Elternsprecher, im Kita-Ausschuss und im Förderverein engagieren. Darüber hinaus bieten wir Eltern in unserem Familienzentrum pädagogische und psychologische Beratung an", erklärte Kind.

Auch während der Fragerunde sind zwei Elternteile anwesend: Natalie Olbrisch und Katrin Maul. Sie unterstützen die Runde bei der Übersetzung vom Deutschen ins Englische und umgekehrt. Schon im letzten Jahr waren sie beim Besuch einer niederländischen Studentengruppe aus Amsterdam dabei. Die Kontakte zu den internationalen Hochschulen schätzen die Kita-Leiterin und ihre Stellvertreterin, Viola Hertwig, sehr. Auch den Kontakt nach Belgien möchten sie aufrechterhalten. Es wird nicht schwierig sein. Denn der Dozent Filip Sas und seine Studentengruppe wollen unbedingt wiederkommen. "Darauf freuen wir uns schon jetzt", sagte Kind.

Weitere Informationen und Kontakt:
Juliane Kind (Kita-Leiterin "Schivelbeiner Straße")
Telefon: (030) 444 51 08
E-Mail: kindergarten.schivelbeiner-strasse<at>kigaeno.de

Weiterführende Links:
Karel de Grote Hogeschool in Antwerpen, Belgien
https://www.kdg.be